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Beim Bankdrücken die richtige Griffbreite wählen

Beim Bankdrücken die richtige Griffbreite wählen

29. Sept.
5 Min. Lesezeit

Du liegst auf der Bank, die Hantel ist ausgehoben, aber schon die erste Wiederholung fühlt sich instabil an oder zwickt vorne in der Schulter. Häufig liegt das nicht an fehlender Kraft, sondern an ein paar Zentimetern an der Stange. Beim Bankdrücken die Griffbreite wählen ist keine Nebensache: Sie entscheidet mit darüber, welche Muskulatur den Großteil der Arbeit übernimmt, wie sicher du drückst und ob du langfristig stärker wirst.

Eine Griffbreite, die für deinen Trainingspartner perfekt funktioniert, muss für dich nicht passen. Armlänge, Schulterbreite, Beweglichkeit, Trainingsziel und bisherige Beschwerden spielen alle mit rein. Deshalb gibt es keine magische Markierung auf der Hantelstange. Es gibt aber klare Prinzipien, mit denen du deinen Griff zuverlässig findest.

Was die Griffbreite beim Bankdrücken verändert

Beim Bankdrücken arbeiten Brust, Trizeps und vordere Schulter immer zusammen. Mit der Griffbreite verschiebst du nur den Schwerpunkt. Ein breiter Griff verkürzt den Weg der Hantel. Das kann dir helfen, mehr Gewicht zu bewegen, verlangt aber der Brust und den Schultern viel ab. Ein enger Griff verlängert den Bewegungsweg und fordert den Trizeps deutlich stärker.

Der mittlere Griff ist für die meisten Trainierenden der beste Startpunkt. Er erlaubt eine kontrollierte Bewegung, verteilt die Belastung gut und lässt sich sauber steigern. Wer Muskelaufbau als Ziel hat, fährt damit meist langfristig besser als mit extrem breiten oder extrem engen Varianten.

Wichtig: Breiter ist nicht automatisch besser für die Brust. Wenn du so breit greifst, dass deine Schultern nach vorn kippen oder sich die Hantel nicht mehr kontrolliert ablassen lässt, schenkst du keine Extra-Reize her. Du handelst dir eher Reizungen und schlechte Wiederholungen ein.

Bankdrücken: Griffbreite wählen nach deinem Ziel

Für einen soliden Start greifst du die Stange so, dass deine Unterarme in der tiefsten Position möglichst senkrecht zum Boden stehen. Die Hände liegen etwas weiter als schulterbreit. Beim Blick von vorne sollten die Handgelenke über den Ellenbogen stehen oder zumindest sehr nah daran. Das ist keine starre Regel, aber ein starkes Orientierungssignal.

Muskelaufbau für Brust und Oberkörper

Du möchtest Brust, Trizeps und Schultern gemeinsam aufbauen? Dann beginne mit einem mittleren bis leicht breiteren Griff. In der unteren Position zeigen die Ellenbogen nicht komplett nach außen, sondern liegen ungefähr in einem Winkel von 45 bis 70 Grad zum Oberkörper. So bleibt die Schulter meist in einer stabilen Position, während die Brust kräftig arbeiten kann.

Lass die Hantel kontrolliert in Richtung untere Brust ab. Sie muss nicht auf Höhe des Schlüsselbeins landen. Ein leicht schräger Weg nach hinten zur Ablage und nach vorn-unten zur Brust ist bei vielen Trainierenden natürlicher als eine perfekt senkrechte Linie. Entscheidend ist, dass du die Stange jederzeit kontrollierst.

Mehr Kraft und bessere Wettkampfleistung

Für maximales Gewicht kann ein etwas breiterer Griff sinnvoll sein, weil sich der Weg der Hantel verkürzt. Aber das funktioniert nur, wenn Schulter, Handgelenke und Ellbogen diese Position vertragen. Auch deine Spannung auf der Bank muss sitzen: Schulterblätter nach hinten und unten ziehen, Brustkorb anheben, Füße fest in den Boden drücken.

Bei Raw-Bankdrücken zählt nicht, wer den breitesten Griff nimmt, sondern wer wiederholbar stark und sauber drückt. Michael Kohlbauer, Inhaber von Do It Fitness und Deutschlands zweitstärkster Raw-Bankdrücker in der 75-kg-Klasse, steht genau für diesen Ansatz: Technik, Spannung und konsequentes Training schlagen Abkürzungen.

Trizeps gezielt stärker machen

Ein enger Griff kann deinen Trizeps sehr effektiv fordern. Dabei bedeutet eng nicht, dass sich deine Hände berühren müssen. Meist reicht es, die Hände etwa schulterbreit oder leicht enger zu setzen. Die Ellenbogen bleiben näher am Körper, der Bewegungsweg wird länger und die letzten Zentimeter bis zum Durchdrücken werden anspruchsvoll.

Diese Variante ist eine Ergänzung, kein Muss für jede Einheit. Wenn dir beim normalen Bankdrücken kurz vor dem Lockout die Kraft fehlt, kann engeres Bankdrücken sinnvoll sein. Wenn deine Handgelenke oder Schultern dabei protestieren, wähle den Griff wieder etwas weiter.

So findest du deine passende Griffbreite

Starte nicht mit deinem schwersten Satz. Nimm eine leere Langhantel oder ein Gewicht, das du für zehn bis zwölf kontrollierte Wiederholungen bewegen kannst. Setze die Hände zunächst etwas weiter als schulterbreit und filme, wenn möglich, einen Satz von vorne oder schau bewusst auf dein Bewegungsgefühl.

Prüfe dabei vier Dinge:

  • Sind deine Handgelenke gerade und stabil oder knicken sie nach hinten weg?

  • Stehen die Unterarme am tiefsten Punkt annähernd senkrecht?

  • Bleiben die Schultern hinten, ohne dass vorne ein stechender Schmerz entsteht?

  • Kannst du die Hantel gleichmäßig ablassen und kräftig nach oben drücken?

Passt etwas nicht, verändere den Griff pro Seite nur um eine Fingerbreite. Danach machst du erneut ein paar saubere Wiederholungen. So merkst du schnell, ob die Position besser wird. Viele wechseln den Griff viel zu drastisch und wissen anschließend nicht, was tatsächlich geholfen hat.

Die Ringe an der Langhantel sind dabei nur eine Orientierung. Wer breite Schultern und lange Arme hat, wird oft anders greifen als jemand mit schmalem Oberkörper und kürzeren Armen. Kopiere deshalb nicht blind die Handposition eines erfahrenen Drückers neben dir.

Warum die Handgelenke Teil der Griffbreite sind

Die beste Breite bringt dir nichts, wenn die Hantel in den Fingern liegt. Lege die Stange tief in den Handballen, ungefähr über dem Unterarm. Dann kann die Kraft direkt von der Hantel über das Handgelenk in den Unterarm laufen. Knickt das Handgelenk stark nach hinten ab, geht Stabilität verloren und die Belastung steigt.

Umschließe die Stange immer mit dem Daumen. Der sogenannte Suicide Grip, bei dem der Daumen nicht um die Stange liegt, kann bei sehr erfahrenen Kraftsportlern vorkommen, bietet im normalen Training aber keinen Vorteil, der das Risiko rechtfertigt. Ein Ausrutscher reicht aus. Sicher drücken heißt stärker trainieren können.

Schulterfreundlich drücken statt Schmerzen ignorieren

Ein leichtes Muskelgefühl in Brust oder Trizeps ist normal. Stechender Schmerz in der vorderen Schulter, im Ellenbogen oder Handgelenk ist es nicht. Stoppe den Satz, wenn Schmerzen auftreten, und überprüfe zuerst Griffbreite, Ellenbogenposition und die Ablage der Schulterblätter.

Viele Probleme entstehen, weil die Schulterblätter während der Wiederholung nach vorne wandern. Zieh sie vor dem Ausheben zusammen und nach unten, als wolltest du sie in die hinteren Hosentaschen schieben. Halte diese Position, während du die Hantel absenkst. Deine Brust wird dadurch zur stabilen Auflage und die Schulter bekommt mehr Sicherheit.

Wenn Beschwerden trotz sauberer Technik bleiben, reduziere Gewicht und Bewegungsumfang für eine Weile. Kurzhantelbankdrücken, Maschinen oder Liegestütze können gute Alternativen sein, weil du Winkel und Griff freier anpassen kannst. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen gehört die Ursache ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt.

Nicht jede Einheit braucht dieselbe Variante

Deine Hauptübung darf konstant bleiben. Das ist sogar sinnvoll, denn Fortschritt braucht Vergleichbarkeit. Wenn du über Wochen dieselbe Griffbreite, dieselbe Technik und nachvollziehbare Gewichte nutzt, siehst du ehrlich, ob du stärker wirst.

Abwechslung kann trotzdem helfen. Du kannst beispielsweise klassisches Bankdrücken mit mittlerem Griff als Hauptübung trainieren und danach enges Bankdrücken oder Kurzhanteldrücken ergänzen. So entwickelst du Trizeps und Stabilität, ohne bei jeder Trainingseinheit an deiner Basistechnik herumzuschrauben.

Für Einsteiger reichen zwei Bankdrück-Einheiten pro Woche meist völlig aus. Arbeite zuerst an kontrollierten Wiederholungen und einer stabilen Ablage. Fortgeschrittene können Volumen, Intensität und Varianten gezielter planen. Mehr ist aber nur dann besser, wenn du dich davon erholst und die Ausführung nicht zerfällt.

Dein Griff muss sich stark und kontrolliert anfühlen

Die richtige Griffbreite erkennst du nicht daran, dass sie auf Social Media gut aussieht. Du erkennst sie daran, dass du stabil liegst, die Hantel kontrollierst, keine unnötigen Schmerzen hast und über Wochen Gewichte oder Wiederholungen steigern kannst. Nimm dir beim nächsten Training zehn Minuten für diesen Check. Kleine Anpassung, große Wirkung. Überleg nicht, sondern Do It 👈

 
 
 

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